Nicht jede Belastung braucht gleich eine Therapie. Oft hilft es schon, Werkzeuge zu lernen, mit denen man Stress früher bemerkt und besser abbaut. Genau dafür gibt es Präventionskurse und Seminare – für Privatpersonen ebenso wie für Fachkräfte, die beruflich mit belastenden Situationen zu tun haben.
Präventionskurse der Krankenkassen
Nach § 20 SGB V fördern die gesetzlichen Krankenkassen Kurse zur Gesundheitsvorsorge. Im Bereich „Stressmanagement“ gehören dazu insbesondere:
- Progressive Muskelentspannung (PMR) nach Jacobson: Muskelgruppen werden nacheinander angespannt und wieder gelöst. Leicht erlernbar, gut für den Alltag.
- Autogenes Training: Entspannung über formelhafte Selbstsuggestionen („Der rechte Arm ist ganz schwer“). Braucht etwas Übung, wirkt dann aber zuverlässig.
- Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR): ein achtwöchiges Programm mit Meditation, Körperwahrnehmung und sanften Yogaübungen.
- Multimodales Stressmanagement: Kurse, die Entspannung mit Zeitmanagement, Problemlösen und dem Umgang mit belastenden Gedanken verbinden.
Die meisten Kassen erstatten zwei Kurse pro Jahr ganz oder teilweise, häufig zwischen 75 und 150 Euro pro Kurs. Voraussetzung ist in der Regel, dass der Kurs von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert ist und Sie an mindestens 80 Prozent der Termine teilgenommen haben. Fragen Sie vor der Anmeldung bei Ihrer Kasse nach.
Woran Sie ein gutes Angebot erkennen
- Die Kursleitung hat eine anerkannte Grundqualifikation (etwa Psychologie, Pädagogik, Medizin, Sport- oder Gesundheitswissenschaften) und eine Zusatzausbildung im jeweiligen Verfahren.
- Inhalte, Termine und Kosten sind vorab klar beschrieben.
- Es werden keine Heilversprechen gemacht, und bei ernsthaften Beschwerden wird auf ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung verwiesen.
- Die Gruppe ist überschaubar, sodass Rückfragen möglich sind.
Seminare für Fachkräfte
Wer in der Jugendhilfe, in Schulen, in der Pflege, bei Rettungsdiensten oder in Beratungsstellen arbeitet, ist oft mit belastenden Lebensgeschichten konfrontiert. Hier gibt es spezielle Fortbildungen, etwa zu:
- Sekundärtraumatisierung: wie das Miterleben fremder Traumata die eigene Psyche belasten kann und wie man vorbeugt;
- Traumapädagogik: Grundlagen für den Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen;
- Selbstfürsorge im Beruf: Supervision, kollegiale Beratung und Strategien gegen Erschöpfung.
Anbieter sind unter anderem Landespsychotherapeutenkammern, Fachverbände, Volkshochschulen und Bildungswerke freier Träger. Viele Arbeitgeber übernehmen die Kosten im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung.
Online-Kurse und Apps
Ergänzend gibt es zertifizierte Online-Präventionskurse sowie digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), die bei bestimmten Diagnosen ärztlich verordnet werden können. Eine DiGA ist im Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte gelistet – das ist ein guter erster Qualitätscheck.
Weitere Fragen rund um Stress und Entspannung beantworten wir auf unserer Seite Fragen und Antworten.
